Ungewollte Kinderlosigkeit und Reproduktionsmedizin

26. Februar 2020 Bremische Bürgerschaft (Landtag)

Rede zum Dringlichkeitsantrag „Zugang zu assistierter Reproduktionsmedizin für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch endlich erleichtern!“ der FDP-Fraktion vom 20.02.2020

zum Dringlichkeitsantrag

In Deutschland reden wir im Moment über etwa 6 Mio. Menschen, die ungewollt kinderlos sind, das ist etwas ein Sechstel der Paare zwischen 25 und 69 Jahren. Ungewollte Kinderlosigkeit ist damit kein Nischenproblem, und nicht selten führt sie zu erheblichen Belastungen für die kinderlosen Paare.

Es gibt viele verschiedene Behandlungsmethoden. Die Medizin hat in den letzten Jahren auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte gemacht. Die Behandlungskosten werden bei verheirateten Paaren anteilig und für eine begrenzte Anzahl von Versuchen durch die Krankenkassen übernommen. Bei den Kosten handelt es sich schnell um Beträge, die für einen großen Teil der Gesellschaft nicht zu leisten sind.

Wir müssen auch feststellen, dass für die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein müssen. So handelt es sich ausschließlich um verheiratete Paare, bei denen diese Kosten übernommen werden. Die Fähigkeit von Paaren, sich gut und langfristig um die Kinder zu kümmern, hängt von vielen Faktoren ab, von einem Trauschein allerdings mit Sicherheit nicht. Bei einer Scheidungsquote von mittlerweile etwa 30 Prozent kann ein Eheversprechen nicht als Garant verstanden werden, eine Sorgegemeinschaft auf Dauer zu haben.

In Nordrhein-Westfalen sind als Zuwendungsempfänger zumindest auch Paare einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft einbezogen, aber auch dort werden homosexuelle Paare klar ausgeschlossen. Maßnahmen gehen immer davon aus, die Keimzellen beider Partner zu verwenden. Eine Unterstützung finanzieller Art für homosexuelle Paare zur Erfüllung ihres Kinderwunschs ist nicht vorgesehen.

Daher halten wir auch diesen Antrag für zu kurz gegriffen: Wir müssen die Frage unverheirateter Beziehungen, aber auch von Paaren jenseits heterosexueller Beziehungen mit in den Blick nehmen. Ich halte es auch für richtig, die Krankenkassen nicht aus der Pflicht zu lassen. Wir werden uns des Themas noch einmal ausführlich in der Deputation annehmen.

zum Video Rede Reproduktionsmedizin 26.02.20

(Quelle: YouTube.com/Radio Weser.TV

 

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