Lebenslagen im Land Bremen: Gesundheit und Armut

12. Mai 2022 Bremische Bürgerschaft (Landtag)

Rede zum 3. Bericht des Senats „Lebenslagen im Land Bremen“, 2021 zum Bericht

dazu Mitteilung des Senats vom 7. Dezember 2021 zur Senatsmitteilung

zum Video Rede Lebenslagenbericht 12.05.22

(Quelle: youtube.com/Radio Weser.TV)

Armut als großes Thema des Berichtes zu den Lebenslagen in Bremen lässt sich schwer auf den Themenbereich Sozialpolitik begrenzen. Ich möchte dies durch den Bereich Armut und Gesundheit ergänzen. Im Bericht wird noch einmal auf den individuellen Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit hingewiesen und ein sehr erschreckender Fakt wiederholt: Wir wissen, dass Männer in Gröpelingen im Schnitt 7,2 Jahre früher sterben als Männer, die in Schwachhausen leben. Bei Frauen ist die Kluft ebenfalls 5,9 Jahre. Auch die vorzeitige Sterblichkeitsrate, also die Rate von Menschen, die unter 65 Jahren sterben, ist bei Männern um die Hälfte und bei Frauen um ein Drittel höher in Stadtteilen mit einer hohen Benachteiligung. Die bittere Realität ist: Armut macht krank, und Armut führt auch häufiger zu einem vorzeitigen Tod.

Wir wissen, dass dieser Zusammenhang auch durch die Arbeits- und Wohnbedingungen in der Biographie begründet ist. Aber nicht erst die unverschuldeten Rahmenbedingungen und die damit verbundene Lebensweise verursachen im Lebensverlauf gesundheitliche Risiken, sondern schon bei den Schuleingangsuntersuchungen zeigt sich, dass Kinder aus armen Familien höhere Prävalenzen bei Vorerkrankungen, bei Karies, bei Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten und vielen anderen gesundheitlichen Risikofaktoren haben. Bereits am Beginn des Lebens ist also der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit sehr direkt nachweisbar.

Aber was in die eine Richtung gilt, gilt leider auch in die andere Richtung: Ein schlechter Gesundheitszustand ist ein ernstzunehmendes Armutsrisiko. Aber nicht nur chronische Krankheiten sind ein echtes Risiko, auch Behinderungen. Dem Bericht nach gelingt es in Bremen weiterhin nur selten, schwerstbehinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Damit sind sie einem erheblichen Armutsrisiko ausgesetzt.

In Bremen haben wir gesehen, dass auch in der Corona-Krise Armut als ein gesundheitlicher Risikofaktor eine Rolle gespielt hat. Trotz einer aufsuchenden Impfkampagne in den Stadtteilen gibt es einen Zusammenhang, was die Infektionszahlen angeht, und auch schwere Krankheitsverläufe sind gehäuft in Stadtteilen mit hohen Armutslagen aufgetreten. Bremen war und ist Spitzenreiter bei den Impfquoten, weil unsere Gesundheitssenatorin und auch wir insgesamt als Koalition und Parlament erkannt haben, dass es genau diesen Zusammenhang gibt, genau deshalb haben die Impftrucks auch gezielt benachteiligte Stadtteile angesteuert, genau deshalb haben wir leistungsstarke Impfzentren auf den Weg gebracht, genau deshalb haben wir gezielt Mittler*innen eingebunden. Ich glaube, dieser Fokus muss weiter ausgebaut werden.

In Bremen und Bremerhaven gibt es bereits einige Projekte und Strukturen mit genau diesem Ziel, die ungleiche gesundheitliche Perspektive abzubauen, so die Gesundheitsfachkräfte in Bremer Quartieren und in Schulen, die wichtige Aufklärungsarbeit leisten und maßgeblich zum erfolgreichen Pandemie-Management Bremens beigetragen haben. Auch die geplanten Gesundheits- und Hebammenzentren sind ein wichtiger Schritt, um gesundheitlicher Ungleichheit zu begegnen, im Quartier, mit niedrigschwelligen Angeboten, in der Muttersprache.

Den Blick nur auf die Ausgestaltung des Gesundheitswesens zu richten, reicht nicht aus, hat diese dann doch häufig eine Reparaturfunktion. Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass die Lebensumstände in der Arbeit, im Wohnumfeld, der Lebensstil, die Möglichkeiten, sich an Sport und an Präventionsmaßnahmen zu beteiligen, gestärkt gehören. Daher muss der Abbau gesundheitlicher Ungleichheit als ressortübergreifende Aufgabe verstanden werden. In dem Bericht „Zukunft Bremen 2035“ sind hierfür erste Ansätze erkennbar. Ziel für uns muss sein, dass sozialer Status in der Zukunft kein Gesundheitsrisiko und dass die individuelle gesundheitliche Verfassung kein Armutsrisiko mehr darstellt.

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