8. Mai als Gedenktag und Feiertag

27. Februar 2020 Bremische Bürgerschaft (Landtag)

Rede zum Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und DIE LINKE „Den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa angemessen würdigen – Gesetz zur staatlichen Anerkennung des Tags der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa als Gedenktag“ vom 12.02.2020 zum Antragsdokument

(Aufforderung an den Senat, sich auf Bundesebene für den 8. Mai als bundesweiten Feiertag einzusetzen sowie Einführung eines Gesetzes zur staatlichen Anerkennung des Tags der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa als Gedenktag zur Änderung des Gesetzes über die Sonn- und Feiertage)

In diesem Jahr jährt sich der 8. Mai als Tag der Befreiung zum 75. Mal. Wir erreichen jetzt die Schwelle, an der sich die Erinnerung an die nationalsozialistische Herrschaft verändern muss: Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung berichten können.

Gleichzeitig wird von rechtsextremer Seite die Gedenkpolitik frontal angegriffen.

Wir wissen, dass wir heute um den 8. Mai als Gedenktag und um den Begriff der Befreiung erneut kämpfen müssen.

Zugleich brauchen wir aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Gedenkkultur.

Das Nachdenken über deutsche Verantwortung ist häufig unbequem, weil wir uns nicht darauf beschränken dürfen, Nazis, die Führer der Herrschaft, als Täter zu betrachten und die Gesellschaft aus der Verantwortung zu nehmen. Das Handeln der Mehrheit der Gesellschaft machte den deutschen Faschismus möglich und zumindest ihr Opportunismus den Weltkrieg und die Shoah erst denkbar. Nur, indem die vielen es zuließen – egal, ob sie aktiv mitgeholfen oder wohlwollend zugesehen haben, ob sie gleichgültig waren oder widerstrebend mitgewirkt haben -, konnte dieses Verbrechen Realität werden.

Zur Stärkung der Gedenkkultur finden wir es wichtig, den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Ich freue mich sehr, dass wir uns heute gemeinsam mit der Koalition für diese Idee auf Bundesebene einsetzen. Bis sich eine solche Lösung auf Bundesebene gefunden hat, werden wir den 8. Mai auf Landesebene als Gedenktag etablieren: Künftig können Beschäftigte und Auszubildende an diesem Tag für Gedenkveranstaltungen, Demokratiefeiern und ähnliches frei bekommen. Wir stärken so die Erinnerungskultur im Land Bremen und ermöglichen es, würdigem Gedenken angemessen Raum zu geben.

Indem wir diesen Tag als Befreiung begreifen, stärken wir insbesondere die Perspektive der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft und der deutschen Besatzung. Wir machen gerade auch im Land der Täter und der Angreifer deutlich, dass die Perspektive der Opfer die entscheidende sein muss, um an den Nationalsozialismus zu erinnern.

Wir als Linke schauen dem diesjährigen 8. Mai mit großem Interesse entgegen, mit dem sich verbindet: nie wieder Faschismus. Und dieser ist heute, nach Hanau, möglicherweise näher als je zuvor. Mit diesem Tag verbindet sich eine gesellschaftliche Verantwortung.

Video zur Rede 8. Mai Gedenktag

(Quelle: youtube.com/Radio Weser.TV)

 

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